Biberanlage im Biosphaerium Elbtalaue

Nachwuchs im Biberbau

Biosphaerium Elbtalaue, 8. Juni 2021

Der Blick in den Biberkessel des Biosphaeriums Elbtalaue war für Tierpfleger Sven Schulze alles andere als Routine, vielmehr zeigte er sich beim Anblick von Meister Bockert überrascht und hoch erfreut: War es seit der Ankunft in Bleckede im Mai 2016 immer das Biberpärchen, welches zu versorgen war, so ist es seit seit einigen Tagen eine ganze Familie, die nun die volle Aufmerksamkeit des Tierpflegers erhält. Das Bleckeder Biberpärchen hat erstmals im Alter von sieben Jahren mit zwei Jungtieren Nachwuchs bekommen. „Späte Eltern“ würde man sagen, denn etwa mit drei Jahren werden die Tiere geschlechtsreif. Äußerlich unterscheiden sich Männchen und Weibchen nicht. Aufgrund der Körperform der Biber und der rundlichen Konturen war die Tragezeit dem Team des Biosphaeriums nicht ersichtlich. Umso größer ist nun die Freude über die neue Biberfamilie, die im nächsten Jahr noch wachsen könnte, denn eine Biberfamilie kann aus den Jungtieren des aktuellen Jahres sowie den Jungtieren des Vorjahres bestehen.

Das Bleckeder Pärchen, das nun Eltern geworden ist und zu den europäischen Bibern zählt, wurde 2016 vom Tierpark Olderdissen in Bielefeld übernommen.

Genau wie die Elterntiere schlafen die aktuell ca. 20 cm großen Jungtiere tagsüber in ihrem Biberkessel, häufig noch eng an das säugende Muttertier angelehnt. Die Jungtiere werden rund drei Monate lang gesäugt, fangen aber schon wenige Wochen nach Geburt an zusätzlich feste Nahrung aufzunehmen. Kessel nennt man die Schlafstätte der Biber im Inneren ihrer Burg. Dessen Zugang liegt unterhalb der Wasseroberfläche, um sich vor dem Eindringen möglicher Feinde zu schützen. Abends verlassen die Tiere dann nacheinander den Kessel und gehen im Revier auf Nahrungssuche. Die Jungtiere verbleiben die erste Zeit mit einem Elterntier im geschützten Biberbau. Dort und im Außengelände des Reviers wird sich die Familie jetzt ca. zwei Jahre lang gemeinsam aufhalten. Die räumliche Nähe wird im Winter besonders wichtig, damit die Jungtiere von den Eltern gewärmt werden können und nicht zu stark auskühlen.

Im Frühjahr, also ca. ein bis drei Monate bevor das Muttertier erneut Junge bekommen könnte, werden die dann fast zweijährigen Jungtiere aus dem Revier vertrieben, indem die Elterntiere über einen längeren Zeitraum aufdringlich und unleidig werden: Der halbstarke Nachwuchs wird vom Fressplatz verscheucht, gelegentlich gezwickt und Scheinangriffen ausgesetzt. Die Bleckeder Jungtiere würden nach zwei Jahren an eine andere zoologische Einrichtung gegeben oder ausgewildert werden.

Doch zunächst freut sich das Team des Biosphaeriums auf die heranwachsenden Biberkinder, die auch die Besucher des Biosphaeriums in ihrem Biberkessel beobachten können. Biber zeigen ein sehr ausgeprägtes und beeindruckendes Familien- und Sozialleben.

    Natürlich können Sie – zur richtigen Zeit am richtigen Ort – Biber auch draußen in der Elbtalaue beobachten. Doch gemäß unserem Ansatz als Informationszentrum für das Biosphärenreservat, einen Blick „mehr“ in die Elbtalaue zu ermöglichen, erleben Sie den europäischen Biber bei uns live! Hier können Sie die Biber – je nach Tageszeit und Aktivität der Tiere – draußen in einer großzügig und artgerecht ausgestalteten Biberanlage oder in ihrer Biberburg beobachten.

    Im Ausstellungsgebäude „Biberbau“ schauen Sie durch Glasscheiben in die Biberburg mit ihren beiden Wohnkesseln. Beim Betreten des Ausstellungsgebäudes tauchen Sie in eine biberburgähnliche Atmosphäre ein: Fußböden und Wände sind in Naturfarben gehalten bzw. mit Lehm verputzt. Beim Gang durch einen auf menschliche Größe gezogenen Biberkessel erzählen Töne und kurze Filme vom Biberleben. Auf einem Rundgang zur Lebensweise des Bibers erfahren Sie Wissenswertes zur Nahrung des Bibers, zu seinen Feinden, seinem Familienleben und zur Kulturgeschichte dieses Tieres der Flüsse und Auen.

    Draußen in der Biberanlage lassen sich die Tiere sowohl vom Laubengang als auch von der Dachterrasse des Biberbaus beobachten. Der Blick fällt dabei auf die großzügige Wasser- und Landfläche der Anlage, die sich auf einer Gesamtfläche von fast 1.000 qm um den historischen Aussichtsturm schmiegt. So ergeben sich verschiedene Perspektiven, ohne Rückzugsmöglichkeiten vorzuenthalten. Schließlich wollen wir mittels dieser Tierbeobachtung bei unseren Besuchern auch Verständnis für die Bedürfnisse dieses Wildtieres wecken. Neben Krautpflanzen im Wasser und Gelände bieten wir den Bibern frische Gehölze in sogenannten Futterhülsen, die sie fällen und als Futter oder Einstreu nutzen.

    Bei der Planung der Anlage und des Betriebes sind nicht nur allgemeine zoologische Erfahrungen eingeflossen. Insbesondere die ausgewiesenen Experten der Biberreferenzstelle des Landes Sachsen-Anhalt haben uns maßgeblich unterstützt, wofür wir auch an dieser Stelle unseren Dank aussprechen möchten.