Biberanlage im Biosphaerium Elbtalaue

Aus dem Leben der Biberfamilie im Biosphaerium Elbtalaue

Das war eine große Überraschung für alle, die das Leben unserer Biber im Biosphaerium schon länger begleiten: Ende Mai 2021 wurden zum ersten Mal überhaupt zwei Junge in unserer Biberanlage geboren und haben die siebenjährigen Alttiere zu „späten“ Eltern gemacht. Die Überraschung war deshalb so groß, weil die Tragezeit bei Bibern kaum ersichtlich ist.

Die ersten Wochen haben die putzmunteren Jungtiere mit ihren Eltern im Biberbau verbracht. Wurden sie zunächst von der Bibermutter gesäugt, so fingen sie schon früh an, parallel auch feste Nahrung zu sich zu nehmen. Die markanten Zähne sind von Anbeginn bei kleinen Bibern angelegt, der Nachwuchs kommt „voll ausgestattet“ auf die Welt.

Dank einer ähnlichen „Vollausstattung“ ist auch das Fell von Biberkindern von Geburt an dicht gewachsen und wird in den ersten Wochen durch die Elterntiere mit einem speziellen Sekret eingerieben, das über eine Analdrüse produziert wird. Die Biber verbringen generell viel Zeit mit der Fellpflege, damit das Fell nicht durchnässt und warmhält.

Mittlerweile finden auch die ersten Schwimmversuche der Jungen statt, wobei dies wörtlich zu nehmen ist. Denn anfangs können die Biberjungen noch nicht allein aus dem Biberbau heraus- und hineintauchen. Sie sind noch zu leicht und schwimmen wie ein Korken oben auf dem Wasser. Dann fasst eines der Elterntiere beherzt zu, hält das Junge im Nacken fest und taucht mit ihm aus dem Biberbau heraus.

Schon bei erwachsenen Bibern ist das Geschlecht – außer in der Zeit, in der die Mutter die Jungen säugt – von außen nicht zu erkennen. Dies gilt natürlich auch für Jungtiere, und so wussten wir die ersten Wochen noch nicht, welches Geschlecht die beiden haben. Mittlerweile konnten wir dies durch die Entnahme einiger weniger Haare im Rahmen eines routinemäßigen Gesundheitschecks ermitteln lassen und können mitteilen, dass ein männliches und ein weibliches Jungtier im Mai zur Welt gekommen sind.

Umso größer ist nun die Freude über die neue Biberfamilie, die im nächsten Jahr noch wachsen könnte, denn eine Biberfamilie kann aus den Jungtieren des aktuellen Jahres sowie den Jungtieren des Vorjahres bestehen.

    • Alt- und Jungtier im Wasserlauf

      Alt- und Jungtier im Wasserlauf
    • Jungtier im Wasser

      Jungtier im Wasser
    • Einfach mal abtauchen

      Einfach mal abtauchen
    • Alttier im seichten Wasser sitzend

      Alttier im seichten Wasser sitzend

    Natürlich können Sie – zur richtigen Zeit am richtigen Ort – Biber auch draußen in der Elbtalaue beobachten. Doch gemäß unserem Ansatz als Informationszentrum für das Biosphärenreservat, einen Blick „mehr“ in die Elbtalaue zu ermöglichen, erleben Sie den europäischen Biber bei uns live! Hier können Sie die Biber – je nach Tageszeit und Aktivität der Tiere – draußen in einer großzügig und artgerecht ausgestalteten Biberanlage oder in ihrer Biberburg beobachten.

    Im Ausstellungsgebäude „Biberbau“ schauen Sie durch Glasscheiben in die Biberburg mit ihren beiden Wohnkesseln. Beim Betreten des Ausstellungsgebäudes tauchen Sie in eine biberburgähnliche Atmosphäre ein: Fußböden und Wände sind in Naturfarben gehalten bzw. mit Lehm verputzt. Beim Gang durch einen auf menschliche Größe gezogenen Biberkessel erzählen Töne und kurze Filme vom Biberleben. Auf einem Rundgang zur Lebensweise des Bibers erfahren Sie Wissenswertes zur Nahrung des Bibers, zu seinen Feinden, seinem Familienleben und zur Kulturgeschichte dieses Tieres der Flüsse und Auen.

    Draußen in der Biberanlage lassen sich die Tiere sowohl vom Laubengang als auch von der Dachterrasse des Biberbaus beobachten. Der Blick fällt dabei auf die großzügige Wasser- und Landfläche der Anlage, die sich auf einer Gesamtfläche von fast 1.000 qm um den historischen Aussichtsturm schmiegt. So ergeben sich verschiedene Perspektiven, ohne Rückzugsmöglichkeiten vorzuenthalten. Schließlich wollen wir mittels dieser Tierbeobachtung bei unseren Besuchern auch Verständnis für die Bedürfnisse dieses Wildtieres wecken. Neben Krautpflanzen im Wasser und Gelände bieten wir den Bibern frische Gehölze in sogenannten Futterhülsen, die sie fällen und als Futter oder Einstreu nutzen.

    Bei der Planung der Anlage und des Betriebes sind nicht nur allgemeine zoologische Erfahrungen eingeflossen. Insbesondere die ausgewiesenen Experten der Biberreferenzstelle des Landes Sachsen-Anhalt haben uns maßgeblich unterstützt, wofür wir auch an dieser Stelle unseren Dank aussprechen möchten.